Was ist eigentlich Purpose?

In den letzten 10 Jahren hat die Verwendung des Wortes «Purpose» klar zugenommen. Beleg dafür ist die Statistik zu Google-Suchwörtnern. Das Interesse an diesem Wort nimmt offensichtlich zu – aber was bedeutet es eigentlich?

Purpose kann man einfach mit «Sinn» übersetzen. Sinn deines Lebens oder wozu du hier bist. Sinn deines Unternehmens oder wozu es existiert. Nun, warum nehme ich dann das englische Wort? Es gibt zwei Gründe.

Erstens: Beim englischen Wort schwingt für mich noch das Wort «Potenzial» mit. Für mich ist Purpose also nicht nur der Sinn, sondern auch dein Potenzial, das in dir angelegt ist und zur Entfaltung gebracht werden will. Analog bei Unternehmen.

Zweitens: beim «Sinn des Lebens» kommt mir immer gleich in den Sinn, dass manche sagen «darüber kann man stundenlang diskutieren». Das will ich aber eben grad nicht. Ich möchte nicht, dass du stundenlang darüber diskutierst, sondern deinen Purpose zielstrebig entdeckst und lebst. Dafür gibt es klare Tools, die dich in diesem Prozess unterstützen und diese kannst du lernen, so dass du sie selber anwenden kannst.

Zurück zum Sinn und Potenzial: Was gibt DIR Sinn und was ist DEIN Potenzial?

Das hängt eng zusammen.

Ich glaube, dass in uns ein Gefühl von tiefem Sinn entsteht, wenn wir unser Potenzial leben und immer weiter entfalten.

Das Gefühl davon, dass etwas sinnerfüllt ist für uns, gibt uns ein Gefühl von Freude und im Idealfall machen wir dann auch mehr davon und gehen somit immer mehr einen Weg, der uns unsere Potenziale entfalten lässt.

Purpose als Zellkern

Purpose ist das erste Mal so richtig auf meiner Landkarte erschienen, als ich das Buch «A simpler way» von Margaret J. Wheatley  und Myron Kellner-Rogers gelesen habe, als ich noch bei den Kaospiloten studierte.

Darin geht es auf poetische Weise darum, wie Organisationen sich nach dem Vorbild des Lebens organisieren können, also nach Gesetzen, die sich in lebendigen Systemen finden. Die kraftvollen Metaphern rund um «Organizing as Play», «Selves Organizing» und «Emerging Organization» haben mich tief berührt.

Dies hat sehr gut zusammen gepasst zu Dee Hock’s Chaordic Principles, die ich ungefähr gleichzeitig kennen lernte und die ich eine Zeit lang oft und gerne in Projekten und Prozessbegleitungen benutzte. Nach diesen Prinzipien organisiert sich in unseren selbstorganisierten Vorhaben alles rund um Purpose, Principles, People, Concept, Constitution and Practice: Mit dem Purpose fängt alles an und daraus lassen sich Principles ableiten, die entsprechenden Leute fühlen sich angezogen, eine Organisation formiert sich etc.

Durch diese zwei Konzepte hat sich für mich ein inneres Bild von Purpose geformt, von einem Zellkern, sei es in einer Person oder einer Organisation, nach dem sich alles rundherum ableitet, wie in einer Zelle, die sich je nach Zweck entsprechend organisiert und mit anderen Zellen verbindet. Dieses hat sich in mir abgelegt und es war wie eine Brille, durch die ich viele Jahre Organisationen betrachtet habe und die mein Arbeiten geprägt hat.

Purpose als Pfeiler für ganzheitliches Arbeiten

Mir ihrer Arbeit haben Meg und Dee Hock viel davon vorweggenommen, was dann mit Laloux’ «Reinventing organizations» deutlich wurde. Insbesondere dass Purpose oder der evolutionäre Sinn (wie ihn Laloux nennt) ein zentraler Pfeiler für Menschen und Organisationen ist, die den Weg hin zu ganzheitlichem und sinnstiftendem Wirken und Organisieren gehen.

Purpose als Einladung unser volles Potenzial anzunehmen und hineinzuwachsen

Mit Laloux’ Buch ist mein Interesse und meine Leidenschaft für das Thema Purpose nochmals neu entfacht und ich bin tief ins Thema eingetaucht. Folgende Überzeugung hat sich dabei entwickelt:

Ich glaube nicht, dass unser Leben vorbestimmt ist. Ich glaube auch nicht, dass das Leben von Organisationen vorbestimmt ist.

Ich glaube, wir haben die Wahl zu entscheiden und unser Leben zu gestalten.

Ja, wir sind geprägt durch unsere Kindheit und unser bisheriges Leben sowie durch unsere Privilegien, die wir haben oder nicht haben. Aber wir haben grundsätzlich enorm viele Möglichkeiten, unser Leben zu beeinflussen.

Ich glaube jedoch auch, dass etwas in uns angelegt ist. In jedem einzelnen von uns, aber auch in unseren Organisationen. Das gilt es freizulegen und zu entfalten. Einen Purpose, der dem Leben dient.

Ein Purpose, der dem Leben dient

Ich glaube nicht, dass es Organisationen gibt, deren Purpose es nur ist, Geld zu verdienen und damit womöglich noch Ressourcen zu zerstören. Natürlich gibt es viele solcher Organisationen. Das ist die Realität. Aber ich glaube, dass das Leben – und somit wir Menschen und auch die Organisationen, die aus Menschen bestehen – immer dem Leben dienen will.  Eigentlich. Es braucht aber teils eine Erinnerung daran. Einen Raum. Und sicher auch viel Mut. Aber es wird uns allen immer klarer, dass wir diesen Weg gehen müssen. Je länger je dringlicher.

Ich glaube, dass es einen enormen Impact haben kann, wenn wir unseren Purpose leben und ebenso ist es ein enormer Hebel, wenn die Menschen in Organisationen hinhören und spüren, was denn die Aufgabe ihrer Organisation sein könnte. Das stimmt mich hoffnungsvoll in diesen Zeiten und ich freue mich über meinen eigenen Purpose, wo es genau darum geht, bei diesem Weg zu unterstützen.

Unperfekt perfekt

Kürzlich bin ich zum Kernteam von Laut&Weise gestossen und ich freue mich riesig darüber. Wenn meine beiden Co-Gründerinnen oder ich davon erzählen, werden wir oft gefragt, was Laut&Weise ist und was wir machen. Deshalb haben wir ein kurzes Video dazu gedreht, das wir u.a. auf Instagram gepostet haben… obwohl eigentlich noch GAAANZ viel offen ist. Aber wir haben uns einfach entschieden: es ist unperfekt perfekt! Wenn wir warten, bis wir auf alles eine geschliffene Antwort haben, müssten wir die Sache noch ziemlich lange vertagen. Wir schleifen nun einfach, währenddessen wir den Weg gehen.

Im Video sagen wir, dass wir die Welt verändern möchten. Da meldet sich gleich eine vertraute innere Stimme in mir, der ziemlich viele Gründe einfallen, weshalb es doof ist, das so zu sagen:

  • zu gross
  • pathetisch
  • abgegriffen
  • vor allem wie und wohin?
  • Oder: das kann ja wohl so sein, aber sag es besser nicht so.

Genau darum geht es auch bei unserem aktuellen Angebot, dem Sichtbarkeitsfestival – um das sich Zeigen. Und zwar das Zeigen, auch wenn sich die innere Kritikerin viele Gründe ausdenken kann, wieso dies gefährlich ist:

  • Du machst dich lächerlich.
  • Bist du überhaupt gut genug, um dich so hinzustellen?
  • Wäre nicht eine weitere Weiterbildung das Minimum?

Beim Festival geht es darum,
die innere Arbeit zu machen,
die dafür nötig ist, sich zu zeigen.

Zum Beispiel, um Ängste loszulassen, damit innerlich Freude da ist. Diese ist spürbar und wirkt. Auf dich und auf dein Umfeld, auf deine (potentiellen) Kunden.

Purpose – zeig dich dir und mach den Weg frei für all das Wunderbare, das du leben möchtest

Ich biete beim Festival auch einen Workshop an. Dabei geht es darum, dass du formulierst, was dich im innersten antreibt: deinen Purpose. Dieser gibt dir Klarheit und Orientierung, um auf deiner ganz persönlichen Spur zu leben und so beizutragen, dass du innerlich vor Freude hüpfst.

Auch hier können Stolpersteine liegen. Die innere Kritikerin ist eine davon. Sie sagt vielleicht: Wer bis denn du, dass du denkst, dass dein Purpose so gross ist? Oder sie findet deinen Purpose zu unscheinbar.

Darum schauen wir Wege an, wie sich die innere Kritikerin auch mal stumm stellen lässt. Sie ist schon noch da und kann dich in gewissen Momenten beschützen, aber
sie kann auch mal leise sein
und den Weg frei machen
für deine Kraft und all das Wunderbare,
das von dir gelebt und geboren werden will.
 

Einen Link zu diesem Blogartikel poste ich auch auf der LinkedIn-Plattform. Ist dies wirklich ein Ort, an dem wir uns mit Unsicherheiten zeigen und an dem ich Gedanken wie die obenstehenden offenlege? Hm… meistens nicht. Hier geben wir oft ein geschliffenes Bild ab: Wir wissen was wir tun und es gibt keinen Grund, nicht selbstbewusst zu zeigen, was wir können.

Aber ich möchte den NewWork-Wert der Ganzheit leben. Also die Daniela sein, die ich bin und nicht nur einen Teil davon. Oder gar nur eine Fassade. So werde ich greifbar und sichtbar. (Ja, auch angreifbarer – und auch dafür gibt es ein Angebot beim Festival! Schau hier.) Aber nur so entsteht wirkliche Verbindung. Und diese Verbindung macht es so schön zu leben <3.